Beckenbodentraining – Übungen gegen Inkontinenz

Mit dem Begriff Beckenboden ist die Beckenbodenmuskulatur gemeint, die sich beim Menschen in der Körperhöhle des kleinen Beckens befindet. Der Beckenboden stellt den Abschluss des Beckens nach unten dar und füllt das Areal zwischen dem Schambein, dem Steißbein und den seitlichen Sitzbeinhöckern rechts und links aus.

Blasen- und Beckenbodenmuskulatur

Mit Beckenbodentraining gegen Inkontinenz

Der Boden des Beckens besteht aus den Muskeln Diaphragma pelvis, Diaphragma urogenitale und einer Schicht aus Bindegewebe, Schwellkörpern und Schließmuskeln. Die abschließenden Gewebestrukturen des Beckens geben den Organen im Becken Halt und haben einen starken Einfluss auf die Funktion des Blasenschließmuskels.

TIPP: Der Beckenboden kann sehr gut zuhause traininert werden. Hilfreiche Trainingsbücher und Sportausrüstung für Beckenbodentraining bei Frau und Mann gibt es z. B. bei Amazon.

Im Laufe des Lebens können aus Altersgründen die muskulären Strukturen und vor allem die bindegewebigen Teile des Beckens erschlaffen. Schwangerschaften und Entbindungen sorgen bei Frauen für eine extreme Belastung des Gewebes. Bei Männern und Frauen können Unfälle, Verletzungen und Operationen zu einer besonderen Schwächung des Beckenbodens führen.




Als Folgen eines schwachen Gewebes können Harninkontinenz, aber auch Stuhlinkontinenz als Einzelsymptom und vergesellschaftet auftreten. Durch Beckenbodengymnastik und gezielte Beckenbodenübungen können die Muskeln und das Bindegewebe gekräftigt werden, damit sie ihren wichtigen Aufgaben wieder besser gewachsen sind. Übrigens kann eine durch Beckenbodentraining gestärkte Beckenbodenmuskulatur auch zu einer gesteigerten sexuellen Erlebnisfähigkeit bei der Frau und beim Mann führen.

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Die Unterschiede des Beckens bei Mann und Frau

Der Becken einer Frau ist breiter als bei einem Mann. Deshalb hat auch der flächig aufgespannte Boden des Beckens ein größeres Areal auszukleiden, als dies bei einem männlichen Becken der Fall ist. Zudem sind bei Frauen die Muskeln des Beckenbodens schwächer ausgebildet.

Bei Frauen gibt es im Gewebe drei Öffnungen, die Durchtrittsstellen für die Harnröhre, die Scheide und den Enddarm zum Rektum hin sind. Diese Öffnungen stellen durch ihr Vorhandensein bereits eine Schwächung des Beckenbodengewebes dar.

Bei Männern gibt es nur zwei Durchtrittsstellen: für die Harnröhre und für den Enddarm. Die anlagebedingt kräftigere Beckenbodenmuskulatur hat also eine schwächende Durchtrittsstelle weniger und wird zudem nicht durch Schwangerschaften belastet.

 

Inkontinenz bei Frauen

Durch die beschriebenen anatomischen Gegebenheiten sind Frauen von einer Blasenschwäche wesentlich häufiger betroffen als Männer. Möglich ist, dass direkt nach einer Entbindung eine zeitweilige Belastungsinkontinenz auftritt, die sich nach und nach wieder zurückbildet.

Vor allem, wenn die Beckenbodenmuskulatur mit entsprechendem Beckenbodentraining gekräftigt wird, bilden sich die Symptome der Belastungsinkontinenz nach der Geburt in der Regel wieder zurück. Nach mehreren Geburten, nach Bauchoperationen und mit dem im zunehmenden Alter sich verändernden Hormonhaushalt sind jedoch zahlreiche Frauen davon betroffen, dass beim Niesen, Husten und bei körperlicher Bewegung unkontrolliert Urin abgeht.




Durch die Schwächung von Bindegewebe und Muskeln des Beckens wird der Schließmuskel der Blase nicht mehr ausreichend unterstützt, sodass unkontrolliert Harn die Blase verlassen kann. Besonders merkbar wird dies, wenn im Bauch ein erhöhter Druck entsteht, wie dies beim Lachen oder Niesen geschieht.

Meist handelt es sich um Harninkontinenz, jedoch kann die Inkontinenz auch den ringförmigen Schließmuskel des Enddarms betreffen.

 

Inkontinenz bei Männern

Männer haben seltener unter einer Blasenschwäche zu leiden. Jedenfalls ist dies solange so, bis sie eines Tages im Bauchraum operiert werden müssen. Häufiger Anlass für eine solche Operation des Bauchraumes bei Männern sind Erkrankungen der Prostata.

Vor allem bei der Diagnose von Prostatakrebs wird das Organ in der Regel operativ entfernt. Durch die entstehenden Verletzungen werden Muskeln, Bindegewebe und Nerven geschädigt. Oft verliert sich die Inkontinenz im Laufe des Heilungsprozesses wieder. Bei manchen Patienten jedoch bleibt sie bestehen.

 

Hilfe durch Beckenbodentraining

Es gibt weitere Krankheitsbilder der Inkontinenz: Männer wie Frauen können an Dranginkontinenz, an Überlaufinkontinenz oder Reflexinkontinenz leiden. Bei allen Formen der Inkontinenz hilft ein Beckenbodentraining, die Symptome abzumildern. Die Beckenbodengymnastik kann sogar die volle Funktion des Schließmuskels der Blase wieder herstellen.

Das Beckenbodentraining sollte zunächst unbedingt unter einer professionellen Anleitung stattfinden, damit der Betroffene es lernt, die richtigen Muskelgruppen während des Beckenbodentrainings anzusprechen. Nur dann ist das Training der Beckenbodenübungen effektiv. Anbieter von Kursen für das Beckenbodentraining und gezielter Beckenbodengymnastik können Physiotherapeuten sein.




Heute gibt es für Beckenbodentraining auch Kurse an Volkshochschulen oder in Sportvereinen. Bei jedem Anbieter ist es wichtig, dass die Therapeuten für das Beckenbodentraining eine fundierte Ausbildung absolviert haben. Ein regelmäßiges Beckenbodentraining ist auch für Schwangere möglich.

Je früher sie mit der Beckenbodengymnastik beginnen, desto weniger muss nach der Entbindung befürchtet werden, dass es zu einer bleibenden inkontinenten Blase kommt. Für Schwangere sollte jedoch ein sehr individuelles Beckenbodentraining durchgeführt werden, welches sich am Fortschritt der Schwangerschaft orientiert. Die erlernten Beckenbodenübungen sollten nach der Geburt weiter trainiert werden. Schwangere Frauen sollten sich über ein geeignetes Beckenbodentraining von ihrem Gynäkologen oder ihrer Hebamme beraten lassen.

 

Unterstützung durch Biofeedback beim Beckenbodentraining

Oft fällt es Patienten beim Beckenbodentraining schwer, die Beckenbodenübungen richtig anzuwenden, weil sie die richtigen Muskelgruppen nicht so ohne Weiteres spüren. Als Hilfsmittel für das Beckenbodentraining kann eine kleine Sonde verwendet werden, die ein Biofeedbacktraining ermöglicht.

Die Sonde wird entweder an der Darmwand des Enddarmes oder innerhalb der Scheide positioniert. Das Gerät kann während des Beckenbodentrainings anzeigen, mit welcher Intensität es gelingt, den gewünschten Muskel zu aktivieren. Zusätzlich kann die Sonde während des Beckenbodentrainings einen elektrischen Impuls zur Stimulation der Beckenbodenmuskulatur abgeben.

Mit etwas Geduld gelingt es nach und nach, auch ohne die Biofeedbacksonde das Beckenbodentraining durchzuführen. Erfahren Sie mehr über Biofeedback.

 

Mehr Infos zum Beckenbodentraining:

2 Gedanken zu „Beckenbodentraining – Übungen gegen Inkontinenz

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