Stressinkontinenz – Anzeichen und Ursachen

Stressinkontinenz ist ein Synonym zu Belastungsinkontinenz. Menschen mit Harninkontinenz sind nicht in der Lage, ihren Urin zurückzuhalten.

Stressinkontinenz und andere Inkontinenzformen

Stressinkontinenz und andere Inkontinenzformen

Bei der umgangssprachlich „schwachen Blase“ kommt es zu unkontrolliertem Urinverlust. Inkontinenz tritt in unterschiedlichen Arten auf. Stressinkontinenz gehört zu der am häufigsten diagnostizierten Erkrankungsform. Dass besonders Frauen davon betroffen sind, hat geschlechtsspezifische Ursachen.

 

Was genau ist Stressinkontinenz?

Etwa jede fünfte Frau leidet unter Stressinkontinenz. „Stress“ heißt in diesem Zusammenhang nicht psychischer Druck, sondern körperliche Belastung. Deshalb sprechen Mediziner häufig von Belastungsinkontinenz. Hierbei kommt es zu ungewolltem Urinverlust infolge einer Druckerhöhung im Bauchraum, beispielsweise durch Tragen von Lasten.




Allerdings kann der Urin, je nach Erkrankungsgrad, auch bereits beim Niesen abgehen. Viele Betroffene leiden nicht nur unter hygienischen Problemen, sondern auch unter sozialer Isolation und Schamgefühlen. Doch je früher sich Leidtragende in Behandlung begeben, desto eher wird ihnen geholfen. Die Heilungschancen sind gut. Gezielte unterstützende Übungen sind sogar zu Hause durchführbar.

 

Ursachen für diese Art der Kontinenzstörung

Naturgemäß sind die Stütz- und Haltefunktionen des weiblichen Beckenbodens einer starken Beanspruchung ausgesetzt. Bei der Stressinkontinenz liegt häufig eine Schwächung der Beckenbodenmuskulatur, des Bandapparates im Beckenbereich oder eine Gebärmuttersenkung vor.

Der Beckenboden besteht aus Bindegewebe und Muskeln. Diese begrenzen die Beckenorgane und halten sie in ihrer Position, außerdem stützen sie den Blasenschließmuskel. Durch starke Dehnung verliert die Beckenbodenmuskulatur ihre Elastizität und Stützfunktion, es kommt zu einer Störung des Schließmuskelapparates der Blase. Bei einer Druckerhöhung im Bauchraum funktioniert der Harnröhrenverschluss nicht mehr zuverlässig.




Auslöser können Schwangerschaften, vaginale Geburten, hormonelle Veränderungen (Wechseljahre), Übergewicht sowie konstitutionelle Bindegewebsschwäche sein. Dabei ist die Stressinkontinenz keine Alterserscheinung, obwohl die Zahl der Betroffenen mit zunehmendem Alter ansteigt. Vielmehr leiden bereits überdurchschnittlich viele junge Frauen unter dieser Erkrankung.

Stressinkontinenz beim Mann tritt meist durch traumatische Schädigung des Blasenschließmuskels als Unfall- oder Operationsfolge auf.

 

Symptome stressbedingter Inkontinenz

Der unwillkürliche Urinverlust geschieht typischerweise, ohne dass Betroffene einen Harndrang verspüren. Mediziner gliedern die Stressinkontinenz in drei Schweregrade.

  • Grad eins: Der Urin geht beim Niesen, Lachen oder Husten ab.
  • Grad zwei: Urinabgang bei abrupten Bewegungen, beispielsweise beim Treppensteigen, Hinsetzen und Aufstehen sowie Heben und Tragen schwerer Lasten.
  • Grad drei: Der Urin tritt bei Bewegungen ohne Belastungen aus, beispielsweise im Stehen.
  • Grad vier: unwillkürlicher Urinabgang bereits im Liegen.

 

Therapie und Behandlungsmöglichkeiten

Nach eingehender Diagnostik erfolgt in der Regel zunächst eine konservative Heilbehandlung. Vor einem chirurgischen Eingriff sollten alle nicht-operativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft werden. Erkranken Frauen in oder nach den Wechseljahren an der Belastungsinkontinenz, liegt häufig ein Östrogenmangel vor. In diesem Fall raten Ärzte häufig zur Hormontherapie.

Dazu trägt die Betroffene eine östrogenhaltige Salbe im Harn- und Genitalbereich auf oder führt hormonhaltige Zäpfchen in die Scheide ein. Alternativ kann die Inkontinenz mithilfe oral einzunehmender Östrogentabletten therapiert werden.

 

Parallele Selbsthilfe

Gezielte Übungen und effektive Maßnahmen lassen sich einfach zu Hause durchführen. Sie können zur aktiven Unterstützung des Heilungsprozesses dienen.

Als förderlich gilt das Beckenbodentraining. Die optimale Durchführung der Beckenbodenkräftigung lässt sich im Rahmen einer Physiotherapie erlernen. Ein Erfolg zeigt sich nach etwa sechs Monaten.

Viele Ärzte raten übergewichtigen Patientinnen zur Gewichtsabnahme. Häufig übt die Gewichtsreduktion einen positiven Effekt auf die Stressinkontinenz aus.

Weiterhin empfehlenswert ist die Reduzierung der begünstigenden Faktoren. Dazu gehört beispielsweise, einen anhaltenden Husten behandeln zu lassen oder das Unterlassen schwerer körperlicher Arbeiten.




Viele unter Stressinkontinenz leidende Frauen haben positive Erfahrungen mit Biofeedback gemacht. Dabei handelt es sich um eine bereits seit Langem bewährte Therapieform ohne chirurgische Eingriffe und Medikamente. Sie ist einfach zu erlernen und erspart vielen Betroffenen die soziale Isolation, die diese Störung des Öfteren mit sich bringt.