Stuhlinkontinenz – Was man dagegen tun kann

Als Stuhlinkontinenz wird eine Fehlfunktion des Verdauungsapparates bezeichnet. Gekennzeichnet ist diese Störung durch den unwillkürlichen Kontrollverlust über die Darmentleerung. Ähnlich wie die Harninkontinenz ist der Verlust oder die Einschränkung der Darmkontinenz mit heftigen körperlichen und seelischen Belastungen verbunden.

Stuhlinkontinenz bei über Menschen 40+

Verbreitung von Stuhlinkontinenz bei über 40-Jährigen
(Eigene Abbildung; Quelle: www.kontinenz-gesellschaft.de)

Zwar besteht bei der Darminkontinenz keine Lebensgefahr, aber auch jeder gesunde Mensch kann wohl sehr gut nachvollziehen, wie unangenehm diese Darmschwäche für Betroffene sein muss. Das Schamgefühl und die Angst, an öffentlichen Orten die eigenen Auscheidungen nicht mehr halten zu können führt viele Patienten in die Isolation der eigenen Wohnung.




Fatal wird die Erkrankung wenn die Ängste soweit reichen, dass nicht einmal mit dem Hausarzt oder Familienmitgliedern das Vorliegen dieser Art der Inkontinenz thematisiert wird.

  • Eine Studie unter dem Titel „Psychosoziale Aspekte der Inkontinenz“ des Zentrums für empirische pädagogische Forschung der Universität Koblenz-Landau befasst sich mit den Auswirkungen von Stuhlinkontinenz auf die Lebensqualität eines Menschen. Leider ist die Studie über unsere Verlinkung nicht mehr erreichbar.

 

Stuhlinkontinenz ist keine Seltenheit

Auch wenn sehr viele Menschen davon ausgehen, mit Ihrem Leiden allein zu sein oder ihre Situation geradezu absonderlich empfinden, so ist die Verbreitung von Formen einer Stuhlinkontinenz keinesfalls gering. In der Bundesrepublik Deutschland haben ca. 800.000 Menschen Probleme bei der kontrollierten Darmentleerung, was ungefähr 1% der Gesamtbevölkerung ausmacht. Die Wahrscheinlichkeit rektaler Inkontinenz steigt mit zunehmendem Alter, ist aber bei weitem nicht auschließlich der Altersgruppe 60+ zuzuschreiben.

Andere Quellen berichten, dass sogar 5 Prozent der Bevölkerung an irgendeiner Form rektaler Kontinenzstörungen leidet [1]. Nach einer Veröffentlichung des Kreiskrankenhauses Emmendingen sind Frauen 8 Mal häufiger von Darmschwäche betroffen als Männer.




Eine Stuhlinkontinenz tritt häufig in Kombination mit einer Blasenschwäche auf, diese Symptomatik sollten Betroffene trotz Schamgefühl beim Arztgespräch erwähnen, da es entscheidend für die weitere Diagnostik und spätere Behandlung der Erkrankung ist.

 

Verschiedene Grade der Erkrankung

Bevor eine Therapie der Stuhlinkontinenz eingeleitet werden kann, muss eine Einteilung je nach Ursache erfolgen. Folgende Grade und verbundene Therapiemöglichkeiten bietet das Kreiskrankenhaus Emmendingen als ausführliches PDF-Dokument an [2].

  • 1 Grad = Stuhlinkontinenz (Luft- oder Schleimabgang)
  • 2. Grad = Stuhlinkontinenz (flüssiger Ausscheidungen)
  • 3. Grad = Stuhlinkontinenz (feste Ausscheidungen)

Genauere Einteilungen lassen sich mittels verschiedener Scores (Pescatory Score, Rockwood Score, CACP Score) oder einer therapiebasierten Zuordnung vornehmen.

Stuhlinkontinenz nach dem CACP Score:

(Quelle: Viszeralchirurgie 2006; Prof. Dr. A. Herold; 41: 163–168)

 

  • sensorisch (Beispiel: Hämorrhoiden)
  • muskulär (Beispiel: Beeinflussung durch operativen Eingriff)
  • neurogen (Beispiel: Multiple Sklerose)
  • gemischt
  • psychoorganisch (Beispiel: Organische Schädigung durch psychische Ursache)
  • idiopathisch (Ohne bekannte Ursache).

Therapiebasierte Zuordnung

  • Änderung der Stuhlkonsistenz (z. B. Verstopfung)
  • Störung der Dehnbarkeit und des Fassungsvermögens des Dickdarms
  • Beckenbodenproblematik
  • Störungen des Schließmuskels
  • Empfindungsprobleme
  • Vermischung verschiedener Störungen

 

Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Ausführlichere Informationen über die diversen Ursachen anorektaler Inkontinenz werden unter Ursachen der Stuhlinkontinenz erörtert. Eine Behandlung kann nur so gut sein, wie die Diagnose, auf der sie erfolgt.




Da bereits bei der Einteilung der Stuhlinkontinenzformen die Komplexität der Thematik deutlich wird, werden auch die derivaten Therapiemöglichkeiten in einem separaten Beitrag erörtert.


Einzelnachweise:

[1] Pharmazeutische Zeitung: Stuhlinkontinenz – Peinliches Problem mit vielen Ursachen; abgerufen am 13.12.2013

[2] Krankenhaus Emmendingen Grade der Stuhl-Halteschwäche; abgerufen am 04.02.2014